Anwendungsgebiete in der Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie kann Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen helfen, wenn siebeispielsweiseunter Ängsten, Depressionen, Zwängen, Essstörungen oder Schwierigkeiten im Alltagleiden. Gemeinsamwerden neue Wege und Strategien entwickelt, um mit schwierigen Gefühlen,belastenden Situationen undHerausforderungen besser umzugehen – dabei können auch Elternunterstützend einbezogen werden.

ADHS
Das hyperkinetische Syndrom (HKS), heute auch als AD(H)S (attention deficit/hyperactivity disorder) benannt, wurde bereits im 19. Jahrhundert von vielen Ärzten beschrieben und stellt eine der häufigsten Probleme im Kindes- und Jugendalter dar.

Angst-
störungen
Angst gehört zum Leben eines jeden Menschen mit dazu. Der Wunsch, angstfrei zu leben, ist letztlich unrealistisch. Vielmehr kommt es darauf an, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Laufe ihres Lebens lernen, mit Ängsten umzugehen und sie zu bewältigen.

Autismus
Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die schon im frühen Kindesalter erkannt werden kann.

ADHS
Das hyperkinetische Syndrom (HKS), heute auch als AD(H)S (attention deficit/hyperactivity disorder) benannt, wurde bereits im 19. Jahrhundert von vielen Ärzten beschrieben und stellt eine der häufigsten Probleme im Kindes- und Jugendalter dar. Der Frankfurter Nervenarzt Dr. Heinrich Hoffmann hat in seinem Kinderbuch Der Struwelpeter die Hauptsymptome prägnant beschrieben.Kinder mit ADHS leiden an einer Störung der Aufmerksamkeit, an ihrer Impulsivität und oft auch an motorischer Unruhe. Kindern mit ADHS fehlt oft die Ausdauer beim Spielen und Arbeiten. Sie wirken zerstreut und vergeßlich und sind oft mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigt. Sie wechseln oft und schnell von einer Aktivität zur Anderen, sind unruhig, zappelig und immer in Bewegung.
ADS oder ADHS?
Allerdings gibt es auch Kinder und Jugendliche, die ebenfalls eine deutlich ausgeprägte Störung der Aufmerksamkeit aufweisen, dagegen aber eher zu ruhig wirken. Kinder die verträumt wirken, die oft Wesentliches nicht mitbekommen, weil sie mit ihren Gedanken woanders waren. Auch dann spricht man von ADS, allerdings ohne Hyperaktivität.
Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa 5% aller Kinder und Jugendlichen betroffen sind, Jungen dabei deutlich häufiger als Mädchen. Aufgrund der Probleme, die diese Kinder mit sich und oft auch mit anderen haben, kommt es oft noch zu zusätzlichen Problemen wie Ängsten, Depressionen und Störungen im Sozialverhalten. Um einer solchen sekundären Neurotisierung möglichst vorzubeugen, brauchen betroffene Kinder und Jugendliche und ihre Familien dringend Hilfe.
Oft wird das problematische Verhalten der Kinder noch einseitig als Erziehungsversagen der Eltern verstanden. Dem heutigen Wissensstand nach ist ADHS aber primär als biologisch verursachte Störung anzusehen, auch wenn man die Ursachen noch nicht umfassend erklären kann. Natürlich beeinflussen dann aber familiäre und Umweltfaktoren den Verlauf und auch die etwaige Ausprägung von Folgeerscheinungen.
Individuelles Behandlungskonzept bei AD(H)S
Das Behandlungskonzept muss daher vielschichtig und auf das Kind, die Familie und das Umfeld individuell abgestimmt sein. Zu den wichtigsten Hilfen gehören:
- Verhaltenstherapie
- evtl. medikamentöse Therapie
- Eltern- und Lehrerberatung (Aufklärung über Formen und Ursachen von ADHS, Entlastung und Hilfestellungen statt Schuldzuweisungen, …)
In der Verhaltenstherapie geht es zunächst darum, mit den Kindern und der Familie ein positives und ressourcenorientiertes Selbstkonzept aufzubauen. Sie sollen sich nicht als Sündenböcke und Störenfriede verstehen, sondern erkennen, dass im Verhaltensüberschuß auch positive Möglichkeiten verborgen sind, nämlich oft Spontaneität, Kreativität und Ideenreichtum.
Die Kinder werden in altersgerechter Weise über das Störungsbild aufgeklärt. Gleichzeitig wird mit den Kindern und den Eltern an Bewältigungsstrategien gearbeitet.
Dazu gehören:
- Training der Aufmerksamkeitsleistung
- Selbstkontrolltraining
- Schaffung guter Arbeitsbedingungen (Übersichtlichkeit und Struktur)
- Training sozialer Kompetenzen und Fertigkeiten
- Beratung der Eltern im Umgang mit dem Kind und viele andere Ansätze.

Angststörungen
Angst gehört zum Leben eines jeden Menschen mit dazu. Der Wunsch, angstfrei zu leben, ist letztlich unrealistisch. Vielmehr kommt es darauf an, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Laufe ihres Lebens lernen, mit Ängsten umzugehen und sie zu bewältigen. Von Angststörungen ist dann zu sprechen, wenn der Grad und die Dauer der Angstreaktion in einem starken Missverhältnis zu den auslösenden Ursachen steht und eine Lebensführung, wie sie gewünscht ist, nicht mehr möglich ist.
Angst zu haben wird in unserem Kulturkreis oft mit Schwäche und Feigheit gleichgesetzt. Auch Erwachsene geben ungern zu, ängstlich zu sein. Kinder die Angst haben, werden von anderen oft gehänselt und abgewertet. Dabei ist eher das Fehlen jeglicher Angst eine Gefahr für uns. Denn Angst warnt uns vor Gefahren, sie hat Signalfunktion. Es kommt darauf an, diese richtig einzuordnen und Situationen bewältigen zu lernen. Also, nicht das Vorhandensein von Angst, nur die Stärke und das Fehlen von Bewältigungsmechanismen kann zu Störungen führen. Situationen die Ängste auslösen gibt es viele.
Entstehung von Angststörungen im Kindesalter
Als früheste Manifestation wird die sogenannte “Achtmonatsangst” (fremdeln) beschrieben. Im frühen Kleinkindalter können behandlungsbedürftige Trennungsängste, Angst vor fremden Personen oder unbekannten Situationen auftreten. Im Vorschulalter treten vornehmlich diffuse Ängste vor Dunkelheit, Gespenstern, und Naturerscheinungen auf. Das Schulalter und die Pubertät sind eher geprägt von Ängsten, die mit sozialen Anforderungen, mit Bewertungen und Leistung einhergehen, häufig in Form von Schulängsten.
In diesem Alter treten auch vermehrt manifeste Störungen, wie z.B. Zwangsstörungen, die häufig auf Reifungskrisen zurückgehen, auf.
Die Abgrenzung von normaler Angst und Angst mit Störungscharakter ist wie gesagt schwierig, da ihre Beurteilung von subjektiven Kriterien abhängt. Wenn aber der normale Lebensvollzug eingeschränkt ist und ein Leidensdruck besteht, sollte eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder ein Arzt zur Diagnostik und ggf. zu Behandlung aufgesucht werden.
Hilfen in der Therapie von Angststörungen
Das Behandlungskonzept ist dann nach Form der Ängste und Entwicklungsstand des Kindes sehr unterschiedlich und muss auf das Kind, die Familie und das Umfeld individuell abgestimmt sein.
Zu den wichtigsten Hilfen gehören:
- Psychotherapie
- in seltenen Fällen medikamentöse Therapie
- Elternberatung
In der Verhaltenstherapie geht es zunächst darum, realistische Therapieziele zu entwickeln. Viele Kinder sagen spontan, wenn sie nach ihren Wünschen gefragt werden: “Ich will nie mehr Angst haben.”. Hier geht es darum, Ängste als Hinweise verstehen zu lernen. Wie gesagt, nicht das Vorhandensein, sondern Unangemessenheit, Stärke und fehlende Bewältigungsstrategien führen zu Problemen. Analog wird in der Therapie versucht, Verursachungsmechanismen aufzudecken und aufrechterhaltende Bedingungen zu verändern. Des weiteren wird an einem Angstabbau gearbeitet. Dies kann durch eine bei Kindern eher graduelle Annäherung an die angstauslösende Situation (Exposition) erfolgen. Außerdem werden neue Fähigkeiten die der Bewältigung von angstauslösenden Situationen dienen, trainiert (z.B. durch Training sozialer Fertigkeiten).
Bei der Entstehung von Ängsten kommt dem Lernen an Modellen oft eine besondere Bedeutung zu. Das heißt, dass es wichtig ist, die Bezugspersonen des Kindes in die Therapie einzubinden und über eigene Ängste und den Umgang damit zu sprechen.

Autismus
Seit dem vermehrtem öffentlichen Interesse, das sich in Fernsehsendungen, Büchern und Filmen an dem Thema zeigt, haben viele von uns eine Vorstellung von den Besonderheiten autistischer Menschen – wenige aber wissen mehr darüber oder kennen gar jemanden persönlich. Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die schon im frühen Kindesalter erkannt werden kann. Man unterscheidet zwischen frühkindlichem Autismus (nach Leo Kanner) und dem Asperger-Syndrom (nach Hans Asperger), die Gemeinsamkeiten in der Grundsymptomatik aufweisen, deren Verlauf aber verschieden ist.
Beeinträchtigungen in der Entwicklung
Beeinträchtigt sind wesentliche Bereiche der Entwicklung, dazu gehören:
- Die Kinder suchen keinen Blickkontakt, können sich nur schwer in Andere hinein versetzen und äußern kein spontanes Mitgefühl. Oft sind sie isoliert und haben keine Freunde.
- Etwa die Hälfte der Kinder mit frühkindlichem Autismus entwickelt keine oder nur eine unverständliche Sprache. Die Kinder imitieren nicht spontan die Handlungen anderer und zeigen kein kreatives Spielverhalten.
- Die Kinder beschäftigen sich ausgedehnt und wiederkehrend mit den gleichen Handlungen. Das Interesse ist stark eingegrenzt – oft kommen ungewöhnliche Sonderinteressen vor. Die Kinder zeigen motorische Besonderheiten, etwa Drehen oder Flattern der Hände vor den Augen.
- Die intellektuelle Begabung von Kindern mit autistischen Störungen ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von geistiger Behinderung bis zu überdurchschnittlicher Intelligenz. Oft gibt es Spezialbegabungen im Rechnen, in Musik oder im Bereich technischer Fähigkeiten.
Die Ursachen sind bislang nicht abschließend geklärt. Allgemein geht man von einer komplexen Störung des Zentralnervensystems, insbesondere im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitung, aus.
Nach internationalen Studien sind 5 von 10 000 Menschen autistisch. Jungen sind drei- bis viermal häufiger betroffen als Mädchen.
Hilfe und Unterstützung bei Autismus
Menschen mit autistischen Entwicklungsstörungen brauchen über einen langen Zeitraum hinweg Hilfe und Unterstützung. Eine ursächliche Behandlung der Störung ist bislang nicht möglich. Die Therapie aber kann die Interaktionsfähigkeit, die Selbstständigkeit und die Anpassung an die Erfordernisse des Alltags deutlich verbessern. Dabei hat sich der Einsatz verhaltenstherapeutisch orientierter Methoden als besonders hilfreich und effektiv erwiesen.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die frühzeitige Unterstützung und Entlastung der Bezugspersonen des Kindes. Insbesondere die Eltern leiden unter der mangelnden Kontaktfähigkeit, machen sich zu unrecht Vorwürfe oder sind aufgrund der vielen Probleme im Alltag am Ende ihrer Kraft. Sie brauchen Beratung und Hilfe.
Auch andere Menschen, die mit dem Kind arbeiten oder in Kontakt kommen, sind oft ratlos. Um das Kind integrieren zu können, brauchen sie professionelle Unterstützung. Darüber hinaus ist es wichtig, dass viele Menschen Kenntnis erlangen von den Besonderheiten autistischer Kinder und Jugendlicher, damit sie ihnen offen und vorurteilsfrei begegnen und dadurch Wege in die Gemeinschaft eröffnet werden.
Verhaltenstherapie kann helfen bei der:
- Förderung der sozialen und kommunikativen Kompetenzen
- Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten
- Förderung im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitung
- Weiterentwicklung der kognitiven Funktionen
- Hilfe bei emotionalen Problemen
- Unterstützung bei sekundären Verhaltensproblemen
